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  Gorreana Tee Azoren - Berichte über Sehenswürdigkeiten, Vulkane, Historie, Flora und Fauna, Klima, Vulkanausbrüche, Emigranten und große Gastfreundschaft.
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Peter J. Orth, privat, unabhängig und neutral - da weder Veranstalter noch Vermieter - ist Kenner der Azoren. Er liebt Blumenparadiese und die Gastfreundschaft ihrer Bewohner.


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Gorreana Tee Azoren

 


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 Gorreana Tee Azoren
09.12.2008 | 10:33 Uhr   News drucken

Gorreana Tee Azoren


        
Gorreana Tee Azoren

Gorreana Tee Azoren
Von FOCUS-Online-Autor Armin Herb

Azoren
Der Tee von São Miguel
Tee wächst nicht in Europa. Stimmt nicht! Auf den Azoren betreibt die Familie Mota seit Generationen eine Teeplantage.

Ponta Delgada sei die Hauptstadt der Azoren, sagen die Bewohner. Sie ist es – wenn auch nicht amtlich. Nirgendwo ist das Inselleben schneller, die Architektur moderner. Aber Ponta Delgada als hektisch zu beschreiben, wäre falsch. Im aktuellen europäischen Vergleich wirkt das Hafenstädtchen sympathisch provinziell. Auch wenn die schmucken Kopfsteinpflastergassen zugeparkt sind und zu viele Autos durch das Labyrinth von Einbahnstraßen flitzen. Hinter der Stadtgrenze herrscht Ruhe. Die neuen Schnellstraßen Richtung Nordosten wirken seltsam überdimensioniert und verwaist, sie enden abrupt an einem Kreisverkehr.

Hinter dem Kreisel passt sich die Straße der Topografie an: Kurve um Kurve schlängelt sie sich in den Norden von São Miguel zu Europas einziger Teeplantage – zu Chà Gorreana. „Chà“ ist das portugiesische Wort für Tee. Ehrlich gesagt, es gäbe ja noch seit wenigen Jahren eine zweite, wieder belebte Anlage. Aber diese misst nur drei Hektar und fällt eher in die Kategorie „reiner touristischer Schaubetrieb“.

Tee statt Orangen

Dem geschulten Auge fallen plötzlich Hänge auf mit nicht alltäglichen Pflanzen in gleichmäßigen Reihen. Es sind Teesträucher. Willkommen auf der Plantage. In großen roten Lettern steht „Chà Gorreana 1883“ auf der blendend weißen Hauswand. Ringsherum 32 Hektar Hügel voller Tee, die Sträucher ziehen sich den Berg hinauf jenseits der Straße und hinunter fast bis zum Atlantik.

Die Geschichtsbücher erzählen von Jacindo Leite, einem Kommandeur der königlichen portugiesischen Leibgarde, der 1820 erstmals Teepflanzen von Brasilien mitbrachte und auf den Azoren kultivierte. Später kamen die Teesprösslinge über Macao aus China. Der Teeanbau sollte damals die Orangenkulturen ersetzen, die durch Pilzbefall zerstört worden waren. Mehr als 60 Teefabriken verteilten sich einst entlang der Nordküste von São Miguel. Sie waren lange Zeit eine der Haupteinnahmequellen der Azoren. Der Erste Weltkrieg bedeutete dann das jähe Ende des Teeanbaus im großen Stil, weil der Schiffsverkehr in die Abnehmerländer unterbrochen war und in Portugal der Tee aus Mosambik bevorzugt wurde. Übrig geblieben ist nur die Plantações de Chá Gorreana.

Bester Bio-Tee

Der Charme vergangener Zeiten umfängt heute noch den Plantagenbesucher. Kein Wunder – die Maschinen stammen großteils noch vom Beginn des 20. Jahrhunderts, importiert aus England, Indien und Südafrika. Mit einer modernen Teefabrik hat Chá Gorreana deswegen wenig gemein. Es kann schon mal passieren, dass Plantagenchef Hermano Mota während eines Gesprächs kurz verschwindet, um mit Schraubenschlüssel und Hammer schnell eine kleine Reparatur auszuführen. Keine Spur von Plantagen-Baron an ihm, Senhor Mota ist eher vom Typ Kumpel in Jeans und T-Shirt, fünffacher Vater, in sich selbst ruhend. „Im Grunde genommen sind die Maschinen recht zuverlässig. Vielleicht etwas laut. Ich glaube, mit Fertigungscomputern hätte ich mehr Probleme“, sagt er und grinst.

In der fünften Generation betreibt die Familie Mota mittlerweile die Plantage und produziert Jahr für Jahr rund 40 Tonnen Tee – Schwarztee der Sorten Orange Pekoe, Pekoe und Broken Leaf sowie Grüntee. „Eigentlich ist der reine Teeanbau hier ein Zuschussgeschäft. Aber der Tourismus und der Bio-Boom gleichen Defizite aus“, erklärt Hermano Mota. „Unser Tee braucht keine Fungizide, Pestizide oder Herbizide. Das schätzen auch Teekenner in Düsseldorf, Paris und Toronto. Wir müssen zudem nicht nachpflanzen wie viele andere Plantagen. Selbst die Salzluft macht nichts mehr aus. Wir haben nur am Rand einige Bäume als Windschutz gepflanzt.“

Handarbeit statt Maschinen

Von den lauten Maschinenräumen kommt der Besucher beim Fabrikrundgang zu den Sortier- und Packtischen. Alles geschieht in Handarbeit. Die erledigen Frauen. Seltsam – wartet doch nebenan unbenutzt eine computergesteuerte Verpackungsmaschine. Da runzelt Senhor Mota die Stirn: „Unsere Familie steht hier in der sozialen Verantwortung, sie bietet seit Jahrzehnten sichere Arbeitsplätze. Alle Mitarbeiter sind Nachbarn.“ Diese Unternehmerverantwortung macht ihm zuweilen das Leben schwer. Während der Erntezeit zwischen März und September braucht er alle zwei Wochen jeden Pflücker. Das kümmert aber einige seiner jungen Helfer wenig. Bei schönem Wetter gehen sie oft lieber zum Fischen oder Tauchen. „Was soll ich machen? Da hilft nur gutes Zureden“, schüttelt Senhor Mota den Kopf.

Nach einem ausführlichen Exkurs in die Teegeschichte der Azoren zieht es die Besucher noch etwas weiter die Küste entlang. Der Nordosten von São Miguel gilt trotz Ausbau der Straßen bis heute als eine Art zehnte Azoreninsel – wegen seiner Abgeschiedenheit und einzigartigen Landschaft. Miradouros Aussichtspunkte sind ideal, um die wilde Steilküste in ihrer ganzen Schönheit zu erleben. Oder auf dem Weg dorthin zwischen mannshohen Erikabüschen zu wandeln, umgeben vom lautstarken Tosen der Atlantikbrandung. Am äußersten Punkt, bezeichnenderweise heißt der Ort Nordeste, empfiehlt sich ein Stopp in der Dorfbar. Zur Abwechslung gibt es nun aber Bica statt Chá. Der portugiesische Espresso schmeckt auch vorzüglich. Und der Kaffee dafür wird auf den Nachbarinseln angebaut.

Teeplantage:
Cha Gorreana: die einzige traditionelle Teeplantage Europas; bei Maia an der Nordküste von São Miguel, www.gorreana.com


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